Unternehmensführung 3.0
Achtsamkeit, um das Erwartete und Unerwartete zu managen

"Dinge wahrzunehmen
ist der Keim der Intelligenz."

Laotse

Achtsame Unternehmensführung sieht den größeren Zusammenhang,
aber ihre ganzheitliche Betrachtung gilt dem gegenwärtigen Augenblick.

Das Unerwartete erwarten

Die wichtigste Aufgabe des Topmanagements, Wandel zu erkennen und zu beherrschen, kann jedoch nur gelingen mit einer Grundhaltung der Akzeptanz von Veränderung.

Erwartungen und Planungen sorgen einerseits für die Ordnung und Vorhersagbarkeit im Unternehmen, doch andererseits erzeugen sie auch "blinde Flecken" in unserer Wahrnehmung. Häufig genug führen diese Wahrnehmungslücken dazu, dass wir unerwartete und bedrohliche Ereignisse erst verspätet erkennen.

Erwartungen sind wie eine Gewohnheit, die auf den wahrscheinlichen Gang der Ereignisse verweist und wir neigen dazu, nach Bestätigung dafür zu suchen, dass bestehende Routinen in Ordnung sind. Erwartungen lenken unsere Aufmerksamkeit auf bestimmte Ereignisse, was bedeutet, dass sie beeinflussen, was wir wahrnehmen, worüber wir nachdenken und an was wir uns erinnern.

"Wir werden gedacht oder es denkt uns." Pläne verleiten uns dazu, mit eingeengtem Blick nach Beweisen für die Richtigkeit unseres Plans zu suchen und die allmähliche Entwicklung des Unerwarteten zu übersehen.

Praktizierte Achtsamkeit im Unternehmen wirkt den durch Erwartungen und Planungen erzeugten Wahrnehmungsschwächen entgegen. Sie lenkt die Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt und damit auf Details und feine Unterschiede und gibt damit Hinweise auf das Unerwartete.

Achtsamkeit, um das Erwartete und Unerwartete zu managen

Was eine zukunftsfähige Organisationen auszeichnet, sind achtsame Praktiken, die die Fantasie beflügeln, Erwartungen erweitern, Skepsis gegenüber allen Erwartungen wecken, zu neuen Deutungen von Wahrnehmungen befähigen und Lernprozesse erleichtern, die unsere Aufmerksamkeit verstärken und vertiefen.

Prinzipien und Übungsziele einer achtsamen Persönlichkeitsentwicklung

Impulsdistanz, d.h. die Fähigkeit einen Impuls (körperlich oder geistig) in flagranti wahrzunehmen, das Anschwellen und Abklingen zu erkennen, ohne dem Impuls folgen zu müssen. Impulsdistanz ist die Grundlage für menschliche Freiheit und erlaubt uns, die Folgen einer Tat abzuschätzen und bei klarem Verstand eine Entscheidung zu treffen.

Anfängergeist ist eine Fähigkeit, jeden Zustand, jede Situation als neu und einmalig zu erleben, sich Offenheit zu erhalten, anstatt in Routine zu verfallen. "Vor Experten ohne Anfängergeist sollten wir uns hüten."

Extralosigkeit meint die Fähigkeit, sich ganz auf das Wesentliche einer Arbeit oder Aktivität zu konzentrieren, ohne darauf innerlich zu achten, wie andere Menschen das Ergebnis beurteilen könnten oder was an möglichen Problemen auftreten könnte.

De-Identifikation bedeutet eine förderliche Distanz zu Titeln, Geleistetem, Projekten, der eigenen Visitenkarte und äußeren Zuschreibungen. Achtsamkeit hilft uns dabei zu de-identifizieren und zu erkennen, dass wir viel mehr sind als die Summe unserer Erfolge und Misserfolge.

Mußezeiten sind Zeiten, in denen sich das Leben ohne Zielerreichungsdruck entfalten kann. Zeitlose Zeiten ohne das innerliche Bedürfnis, etwas Sinnvolles tun zu müssen, schaffen die Voraussetzung für neue, kreative Phasen.

In der täglichen Achtsamkeitspraxis am Arbeitsplatz angewendet, erfahren wir die Wirkungen auf das Arbeitsergebnis und damit verbunden ein tieferes Verständnis der eigenen Arbeitsgewohnheiten, Denk- und Wahrnehmungsroutinen. Die sich daraus entwickelnde innere Klarheit und Freiheit, ist die Voraussetzung, das Unerwartete zu erwarten und damit blinde Flecken unserer Wahrnehmung und die Sinnhaftigkeit unseres Tuns zu erkennen.